
Ein Making of von Steppes
Ich freue mich, dass mein Bild von der North American B-25 Mitchell, und vor allem der Regen in diesem Bild, einen solchen Zuspruch gefunden haben, und dass ich mehrfach angesprochen wurde "mein Geheimniss" zu verraten.
Es gibt aber gar kein Geheimnis!
Im Gegenteil, es ist eigentlich sehr einfach und die Hälfte der Arbeit wurde im Postwork erledigt, allerdings ist etwas Fleißarbeit nötig gewesen.
Ich will hier also gar nicht auf das Flugzeug eingehen, denn das hat Anders Lejczak aka „bazze“ auf seiner Website
www.colacola.se in einem hervorragenden Tutorial besser gemacht, als ich es je könnte (vielen Dank Anders, ich habe viel von Dir gelernt!), sondern auf den Regen und auf das Postwork.
Der Regen
Mich wundert, daß niemand diesen Regen "erkannt" hat, denn eigentlich ist er nicht auf meinem Mist gewachsen. Ich habe vor langer Zeit eine Datei aus dem Netz geladen, in der es ein Regen-Preset gab, das schon recht schön war, aber noch nach deutlichen Verbesserungen geschrien hat (an dieser Stelle sollte der Autor dieses Regen-Presets genannt werden, aber es tut mir leid, ich weiß nicht mehr von wem es war!).
In dieser Datei gab es einfach drei unterschiedlich große, ineinander geschachtelte Würfel, die leicht unterschiedlich zueinander ausgerichtet und mit einer Regentextur belegt waren. Gerendert sah das schon ganz gut aus, aber man hat deutlich gesehen, dass es nur "um das Objekt herum" geregnet hat. Anpassen und optimieren war angesagt.
Aus den Würfeln habe ich einfach mehrere hintereinander gestaffelte Ebenen gemacht, so dass es nicht nur vor und hinter dem Objekt regnet, sondern auch über ihm. Natürlich muss die Ebene am Objekt selber ausgeschnitten werden, so dass es nicht unter dem Objekt regnet.
Der "Wetlook" der Objekte wurde einfach dadurch erzeugt, indem ich auf jedes komplett texturierte Objekt in der Szene noch zusätzlich ein Wassermaterial mit Standardwerten (Transparenz, Fresnel, Spiegelung, hohes Glanzlicht, leichten Bump) gelegt habe.
Ein schöner wolkenverhangener Himmel im Hintergrund unterstützt die Stimmung noch.
Das Rendern
Beim Rendern arbeite ich grundsätzlich mit der Multipass-Option. Im Bildbearbeitungsprogramm schaue ich mir dann erstmal alle einzelnen Ebenen an und blende alle, mit denen ich offensichtlich nicht weiterarbeiten kann, aus (aber nicht löschen, wer weiß wozu man sie noch brauchen kann!). Ich arbeite dann auf dem normalen RGBA-Hintergrundbild weiter, auf dem sich dann die einzelnen, über den mitgerenderten Alphakanal freigestellten, "Effekt"-Ebenen befinden.
Besonders wichtig waren mir in diesem Fall, die Spiegelungs-, die Umgebungs-, die Linseneffekte- und die Schattenebene. In den meisten Fällen bin ich mit solchen Effekten in Cinema 4D selbst eher etwas vorsichtiger, weil ich den Effekt hinterher im Postwork durch einfaches Duplizieren der Ebenen verstärken kann. In diesem Fall habe ich die Spiegelungen zum Teil verachtfacht (!) und hinterher in bestimmten Bereichen wieder über Ebenenmasken zurückgenommen.
Dann folgen standardmässig noch Tonwert- und Farbkorrekturen über Einstellungsebenen, so dass die Korrekturen hinterher noch beeinflussbar bleiben.
Die Fleißarbeit
Leider stand die B-25 immer noch nicht richtig im Regen. Es waren zwar überall Tropfen und alles war nass, aber es wirkte eher so, als ob sie gerade aus der Waschanlage gekommen war, sie "interagierte" nicht mit dem Wasser. Es fehlten Spritzer und ablaufendes Wasser. Um dies zu bekommen habe ich meine halbe Wohnung unter Wasser gesetzt und fotografiert. Das beste Ergebnis für das ablaufende Wasser lieferte mir mein Duschvorhang, den ich einfach abduschte und dabei duzende von Fotos machte

Hinterher in Photoshop freigestellt und mit dem passenden Ebenenmodus versehen, bekam ich ein gutes Ergebnis.

Die Spritzer der aufschlagenden Regentropfen waren mit meinen Mitteln nicht zu fotografieren, also musste ich auf Bilder aus dem Internet zurückgreifen, diese freistellen und in die passende Form bringen. Davon genügend (ich schätze mal 150-200) auf der Flugzeugoberseite verteilt, brachten dann zusammen mit dem ablaufenden Wasser an den Flügelkanten und unter dem Rumpf endlich die Wirkung eines im Regen stehenden Flugzeuges.

Fazit
Ich stelle immer häufiger fest, wie wichtig für mich das Postwork im Verhältnis zur Arbeit in Cinema 4D ist. Der Unterschied und die Qualitätssteigerung des fertigen Bildes zum ursprünglichen Rendering sind deutlich zu sehe.


Bestimmt könnte ich mir viel Postwork sparen, wenn ich besser in Cinema 4D wäre, aber ich persönlich finde es bedeutend komfortabler und vor allem schneller (worüber sich mein Arbeitgeber bei unseren Design-Visualisierungen besonders freut) hinterher das Bild zurecht zutweaken, als vorher hunderte von Testrenderings zu machen.
Ich kann allen (die es nicht eh schon können) nur raten, sich auch intensiv mit Bildbearbeitung beschäftigen.
Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!
steppes