
Eine Rezension von Oliver Hecke
Der erste Eindruck des Buches ist gut: Hardcover, angenehmes Format und beim durchblättern blitzen einem viele, viele Abbildungen entgegen. Also einen Kaffee (caramel-macchiato, mittel) bestellt, sich auf das rote Sofa gefetzt und angefangen...
Prof. Horst Sondermann scheint ein Fan der Klassiker zu sein, nicht nur, dass das Buch in einem schlichten monochromen Cover erscheint, auch die Beispiel -Architekturen und die wunderschöne Zeichnung im Prolog sind von Mies van der Rohe bzw. le Corbusier.
In der Einleitung wird allgemein auf die Wichtigkeit der Architekturdarstellung eingegangen, egal ob analog mit Kohle auf Karton oder digital am Rechner. Weiter geht es in den Kapiteln 1 und 2 mit Basiswissen in Cinema 4d. Navigation, grundlegende Einstellungen und die Verwendung von Polygonkörpern werden behandelt. Meiner Meinung nach für absolute Anfänger zu kurz und zu wenig und für den fortgeschrittenen Nutzer zu viel. Ich würde diese beiden Kapitel als eine art "Einstimmung" in die Materie bezeichnen.
Weiter geht es mit einem Kapitel über den Import von CAD-Dateien und die richtigen dazugehörigen Einstellungen in den Programm Voreinstellungen, gefolgt von einem Kapitel mit dem Thema Licht und einem weiteren zum Thema Schatten.
Beide gehen gut auf die Materie ein und geben einen weit reichenden Überblick über die Nutzbarkeit und Verwendung der Lichtobjekte in c4d. Interessant ist, dass der Autor das Thema GI völlig auslässt, da er der Meinung ist, die Beleuchtung rein über Lichtquellen (ohne GI) sei "handwerklicher". sämtliche Beispielszenen in den folgenden Kapiteln werden also ausschließlich mit Key- und Filllights beleuchtet.
...und dies erfolgt in jeweils einzelnen Kapiteln sehr konsequent zu den typischen Beleuchtungssituationen, die in der Architektur Anwendung finden: Zentralbeleuchtung (mit einer Glühlampe im Raum), Sonnenlicht, das in den Innenraum fällt, Leuchtstoffröhren, indirektes Licht, u.a.. wie der Autor die einzelnen Szenen beleuchtet ist nicht revolutionär, aber sehr gut beschrieben und immer wieder tauchen sehr schöne Details auf, mit denen Sondermann geschickt das fehlen von GI ausgleicht.
Persönlich finde ich es sehr interessant völlig auf GI zu verzichten, allerdings kann ich das Argument der Renderzeitersparnis nicht nachvollziehen, nutzt Sondermann doch fast ausschließlich Flächenschatten bei Flächenlichtern, die die Renderzeiten wieder in Höhe treiben.
Danach folgen noch Kapitel über die Beleuchtung von Außenansichten, teilweise sogar mit kleinen Exkursen in die Nachbearbeitung in Photoshop. Sogar die Erstellung einer Spindeltreppe mit glatter untersicht wird komplett erklärt.
Abschließend behandelt der Autor auch die Erstellung von Texturen und auch das Multipass-rendern. Sämtliche Techniken werden an, anfangs einfachen, später etwas komplizierter werdenden Beispielszenen erläutert, die der Besitzer des Buches auch nach Eingabe von Benutzernamen und Passwort zum "selbst ausprobieren" aus dem Internet laden kann.
Alles in allem macht das buch einen soliden Eindruck, bestens geeignet für den nutzer der sich noch nicht allzu lange mit Architekturdarstellung beschäftigt, aber Cinema 4d einigermaßen beherrscht. Der absolute Anfänger wird wahrscheinlich verzweifeln, der extrem-profi mit wenig neuem konfrontiert.
Das einzige richtig dicke minus bekommt das buch von mir für das layout, obwohl der erste Eindruck ja doch gut war. Der einzelne Druckbogen sah im Layoutprogramm sicherlich gut aus, aber das buch hat mir persönlich beim lesen keinen Spaß gemacht: Der druck ist randlos, was nicht zur Übersichtlichkeit beiträgt, die zahlreichen Abbildungen sind zwar gekennzeichnet, allerdings sind die Abbildungsverweise im text schlecht zu finden, was ein "querlesen", das sich an den Abbildungen orientiert, erschwert. Dazu fast ausschließlich monochrome Bilder machten mir das lesen zu einer auf dauer recht eintönigen (Achtung, Wortspiel!) Angelegenheit.
Fazit: Kein unbedigtes muss, aber dennoch ein gutes Buch, das Grundwissen zur Architekturdarstellung vermittelt und zum weiteren experimentieren einlädt.
Rezession von: Oliver Hecke
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